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HOAI

 

Die Verordnung über die Honorare für Leistungen der Architekten und der Ingenieure (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure – HOAI) gilt entsprechend ihrem §1 „Anwendungsbereich“

 

„für die Berechnung der Entgelte für die Leistungen der Architekten und der Ingenieure (Auftragnehmer), soweit sie durch Leistungsbilder oder andere Bestimmungen dieser Verordnung erfasst werden.“

 

Dementsprechend wird in der HOAI die Honorierung der Tätigkeiten des Architekten geregelt und nicht, wie oft angenommen, ein umfassendes Leistungsbild seiner Tätigkeit abgebildet.

 

Dennoch soll auf die beiden Punkte Honorarermittlung / Leistungsbild an dieser Stelle eingegangen werden.

 

Kostenermittlungen als Grundlage der Honorarermittlung
Die Honorarermittlung des Architekten nach HOAI basiert in der Regel auf drei Grundlagen:

  • Honorarsatz (§ 4 HOAI)
  • Anrechenbare Kosten (§ 10 HOAI)
  • Honorarzone (§§ 11 und 12 HOAI)

 

Die Ermittlung der Anrechenbaren Kosten erfolgt entsprechend der HOAI, § 10, Abs. 2, „unter Zugrundelegung der Kostenermittlungsarten nach DIN 276 in der Fassung vom April 1981“. Der Verweis der HOAI auf die DIN 276 in der Fassung vom April 1981 wird in der Rechtsprechung als statischer Verweis interpretiert, d.h. diese Vorgabe ist zwingend für Honorarermittlungen nach HOAI einzuhalten.

 

Die Kostenermittlungsarten der DIN 276-3:1981-04 sind Kostenschätzung, Kostenberechnung, Kostenanschlag und Kostenfeststellung. Die Ermittlung der anrechenbaren Kosten erfolgt dabei bezogen auf einzelne Leistungsphasen wie folgt:

  • für die Leistungsphase 1 bis 4 unter Zugrundelegung der Kostenberechnung, solange diese nicht vorliegt, nach der Kostenschätzung
  • für die Leistungsphase 5 bis 7 unter Zugrundelegung des Kostenanschlags, solange dieser nicht vorliegt, nach der Kostenberechnung
  • für die Leistungsphase 8 und 9 unter Zugrundelegung der Kostenfeststellung, solange diese nicht vorliegt, nach dem Kostenanschlag

 

Die Schlussrechnung des Architekten wird also immer eine entsprechende Dreiteilung der Rechnung beinhalten.

 

Besondere Aufmerksamkeit ist an dieser Stelle dem Kostenanschlag zu widmen, da die Ausführungen der DIN 276-3:1981-04 zum Kostenanschlag deutlich von den Ausführungen der DIN 276-1:2006-11 hierzu abweichen. (siehe auch Kostenanschlag)

 

Der statische Verweis der HOAI auf die DIN 276, Fassung April 1981 bezieht sich auch auf das Schema der Kostengliederung. Dieses weicht erheblich vom Schema der Kostengliederung nach DIN 276-1:2006-11 ab.

 

Für die Ermittlung der anrechenbaren Kosten entsprechend den Vorgaben der HOAI ist somit immer die Kostengliederung der DIN 276-2:1981-04 zu verwenden. Dementsprechend müssen die nach dem Schema der Kostengliederung entsprechend DIN 276-1:2006-11 aufgestellten Kosten für die Honorarermittlung umgerechnet werden. Ein entsprechender Umrechnungsschlüssel findet sich in der DIN 276:1993-06 in Tabelle 3.

 

Bei der Ermittlung der Anrechenbaren Kosten auf Basis der Kostenermittlungen ist immer darauf zu achten, dass die Kostenangaben in den Kostenermittlungen nach DIN 276-3:1981-04 Bruttoangaben darstellen. Dies ist sowohl bei der Transformation der Kostengliederung zu beachten als auch bei der Ermittlung der Anrechenbaren Kosten. Nach § 9 der HOAI ist „die auf die Kosten von Objekten entfallende Umsatzsteuer […] nicht Bestandteil der anrechenbaren Kosten.

 

Unabhängig von den gemachten Ausführungen muss darauf hingewiesen werden, dass der Architekt (im Rahmen der Ausführung des Auftrages) nach den Regeln der Technik eine Kostenermittlung auf Basis der jeweils aktuellen DIN 276 schuldet.

 

Leistungsbild (HOAI §15)
Im §15 der HOAI ist das Leistungsbild Objektplanung für Gebäude, Freianlagen und raumbildende Ausbauten abgebildet. Dabei wird unterschieden zwischen Grundleistungen und Besonderen Leistungen.

 

Grundleistungen
Die wichtigsten kostenplanerischen Leistungen des Architekten stellen die Kostenermittlungen nach DIN 276 und die zugehörige Kostenkontrolle dar. Diese werden im §15 der HOAI, Absatz 2, Grundleistungen, eindeutig einzelnen Leistungsphasen zugeordnet:

  • Leistungsphase 2 – Kostenschätzung
  • Leistungsphase 3 – Kostenberechnung und Kostenkontrolle
  • Leistungsphase 7 – Kostenanschlag und Kostenkontrolle
  • Leistungsphase 9 – Kostenfeststellung und Kostenkontrolle

 

Vergleicht man die Zuordnung der Kostenermittlungen zu den Leistungsphasen wie sie in der HOAI vorgenommen werden mit der Zuordnung, wie sie sich aus dem Kontext der DIN 276-1:2006-11 ergibt, fallen deutliche Unterschiede auf. Zur besseren Übersicht werden die verschiedenen Zuordnungen in dieser Abbildung dargestellt. Dabei wird die DIN 276:1981-04 mit einbezogen.

 

Der Kostenanschlag nach DIN 276:1981-04, Teil 3,  erfolgt im Gegensatz zur aktuellen Norm dabei „durch die Zusammenstellung von Auftragnehmerangeboten, Eigenberechnungen, Honorar- und Gebührenrechnungen und anderen für das Baugrundstück, die Erschließung und die vorausgehende Planung bereits entstandenen Kosten. […] Für die Kostenansätze können Einheitspreise aus Angeboten oder ortsübliche aus der Erfahrung gewonnene Preise eingesetzt werden. […]“

 

Besondere Leistungen
Werden Besondere Leistungen als werkvertraglich geschuldete Leistungen im Architektenvertrag vereinbart, so sind diese auch gesondert zu vergüten.

 

Zu den in der HOAI, § 15, Abs. 2 genannten Besonderen Leistungen der Leistungsphase 3 Entwurfsplanung zählen auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Im Rahmen von Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden planerische Alternativen monetär bewertet und miteinander verglichen. Diese Vergleiche können dann eine Grundlage für die Entscheidung des Bauherrn zu diesen Alternativen darstellen.

 

Ebenfalls zu den Besonderen Leistungen der Leistungsphase 3 zählt die Kostenberechnung durch Aufstellen von Mengengerüsten oder Bauelementkatalogen.

 

Die Bildung von Kostenkennwerten auf Basis der Kostenfeststellung wird in der HOAI, § 15, zu den Besonderen Leistungen der Leistungsphase 9 Objektbetreuung und Dokumentation gezählt.

 

Zusammenfassend muss festgestellt werde, dass eine Vielzahl der Leistungen, die der Architekt im Zusammenhang mit der DIN 276-1:2006-11 zu erbringen hat, zu den Besonderen Leistungen der HOAI gezählt werden müssen. Es empfiehlt sich immer, solche Leistungen und ihre Vergütung ausdrücklich im Architektenvertrag zu regeln.

 

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